Mopedauto-Kompass

    Mopedauto fürs Kind: Was Eltern wissen müssen

    Redaktion·Veröffentlicht am ·6 Min. Lesezeit

    Teil des Ratgebers: Auto ab 15
    Zwei schwarze Ligier Myli mit Jugendlichen vor einem modernen Gebäude
    Foto: Ligier Group

    Ein Mopedauto gibt Jugendlichen ab 15 Freiheit und nimmt Eltern viele Fahrdienste ab. Es ist sicherer als ein Roller, aber kein Kleinwagen: Crashtests sind nicht vorgeschrieben, und unabhängige Tests zeigen deutliche Schwächen. Wer sich dafür entscheidet, sollte auf Ausstattung wie ABS achten, klare Regeln vereinbaren und die Kosten vorher ehrlich durchrechnen.

    Wie sicher ist ein Mopedauto?

    Das ist die Frage, die Eltern am meisten beschäftigt, und die ehrliche Antwort hat zwei Seiten.

    Im Vergleich zum Roller ist das Mopedauto klar im Vorteil. Es hat ein Dach, Sicherheitsgurte und eine Kabine. Bei Regen und Kälte ist das Kind geschützt und trocken unterwegs, und es kippt nicht um wie ein Zweirad.

    Im Vergleich zum Auto sieht es anders aus. Für Leichtfahrzeuge der Klasse L6e sind keine Crashtests vorgeschrieben. Euro NCAP hat 2016 vier Leichtfahrzeuge getestet, darunter einen Aixam und einen Microcar. Drei bekamen einen, eines zwei von fünf Sternen. Ein Kleinwagen ähnlicher Größe kam im selben Vergleich auf fünf Sterne. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) kam zu dem Schluss, dass sie solche Fahrzeuge nicht guten Gewissens empfehlen kann: Bei so geringem Gewicht lasse sich die Sicherheit eines Autos nicht erreichen.

    Dazu kommt: Die 45 km/h Höchstgeschwindigkeit schützen nur bedingt. Bei einem Unfall bestimmt auch das andere Fahrzeug, wie heftig der Aufprall ist.

    Alle Crashtest-Ergebnisse und Tipps für mehr Sicherheit stehen im eigenen Ratgeber Wie sicher ist ein Mopedauto?, die wichtigsten Regeln in Verkehrsregeln fürs Mopedauto.

    Was die Sicherheit verbessert

    • ABS: Bei vielen klassischen Mopedautos nur gegen Aufpreis. Für Fahranfänger lohnt es sich.
    • Fahrsicherheitstraining: Ein Mopedauto fährt sich anders als ein Roller, auf dem viele den Führerschein machen. Ein Training im eigenen Fahrzeug bringt Sicherheit beim Bremsen und Ausweichen.
    • Strecke wählen: Innerorts schwimmt ein Mopedauto gut mit. Auf schnellen Landstraßen wird es oft überholt. Lieber Nebenstraßen und Ortsdurchfahrten nehmen, auch wenn es ein paar Minuten länger dauert.
    • Licht und Sichtbarkeit: Abblendlicht auch tagsüber, helle Fahrzeugfarbe.
    • Handy weg: Eine feste Halterung für die Navigation, sonst bleibt das Handy in der Tasche.
    • Zustand prüfen: Es gibt keinen TÜV. Eine jährliche Inspektion in der Fachwerkstatt ersetzt die fehlende Hauptuntersuchung.

    Welche Regeln gelten?

    RegelWas gilt
    Mindestalter15 Jahre, mit Führerschein AM
    Höchstgeschwindigkeit45 km/h, bauartbedingt
    Alkohol0,0 Promille unter 21 Jahren (§ 24c StVG), sonst 250 € und ein Punkt
    Autobahn, Kraftfahrstraßeverboten, weil das Fahrzeug nicht schneller als 60 km/h fährt
    Mitfahrerein Beifahrer erlaubt, bei Zweisitzern
    Auslandbis zum 16. Geburtstag nur in Deutschland
    Probezeitkeine, die Probezeit beginnt erst mit Klasse A oder B
    Entdrosselnverboten: Betriebserlaubnis und Versicherungsschutz erlöschen

    Dass es beim Führerschein AM keine Probezeit gibt, heißt nicht, dass Verstöße folgenlos bleiben. Bußgelder und Punkte gibt es wie bei jedem anderen Fahrer.

    Wer kauft, wer haftet, wer versichert?

    Bei 15- und 16-Jährigen schließen in der Regel die Eltern Kauf- oder Leasingvertrag ab und sind damit auch Halter des Fahrzeugs. Das ist wichtig für Versicherung, Wartung und Verantwortung im Alltag.

    Bei der Versicherung zählt nicht, wer den Vertrag abschließt, sondern wer fährt: Das Geburtsdatum des jüngsten Fahrers muss korrekt angegeben werden. Für Fahrer unter 18 kostet Haftpflicht mit Teilkasko je nach Versicherer etwa 370 bis 400 € im Jahr. Details und Spartipps stehen im Ratgeber Mopedauto-Versicherung.

    Gut zu wissen: Die Kfz-Haftpflicht zahlt Schäden, die andere erleiden. Eigene Verletzungen bei einem selbst verschuldeten Unfall deckt sie nicht ab. Eine private Unfallversicherung für das Kind kann eine sinnvolle Ergänzung sein.

    Was kostet das im Jahr?

    Neu kostet ein Mopedauto ab knapp 8.000 € (Citroën Ami, Opel Rocks) bis über 20.000 €. Gebraucht gibt es ältere Modelle ab etwa 4.500 €. Laufend kommen Versicherung, Strom oder Diesel und Wartung dazu, einmalig der Führerschein für etwa 500 bis 1.500 €. Eine vollständige Rechnung findest du unter Was kostet ein Mopedauto im Jahr?.

    Viele Familien rechnen dagegen: Wenn die Eltern nicht mehr täglich zur Schule, zum Training oder zum Ausbildungsbetrieb fahren müssen, sparen sie Zeit und Sprit.

    Vereinbarungen mit dem Kind

    Vor dem ersten Schlüssel lohnt sich ein Gespräch über ein paar Spielregeln. Was viele Familien festhalten:

    • Kosten: Wer zahlt was? Viele Jugendliche beteiligen sich an Sprit, Strom oder Versicherung, zum Beispiel aus einem Nebenjob.
    • Mitfahrer: Ab wann und wen darf das Kind mitnehmen? Zu Beginn lieber allein fahren.
    • Strecken und Zeiten: Welche Wege sind in Ordnung, wie sieht es mit Fahrten im Dunkeln aus?
    • Pflege: Laden oder tanken, Reifendruck, Licht prüfen, Auffälligkeiten melden.
    • Null Toleranz: Kein Alkohol, kein Handy am Steuer, kein Entdrosseln.

    Wie man ein Mopedauto finanziert und was es im Vergleich zur Busfahrkarte und zum Elterntaxi kostet, steht in Mopedauto finanzieren. Für euren eigenen Schulweg rechnet es der Kostenrechner aus. Die Argumente aus Sicht der Jugendlichen fasst Mopedauto mit 15: 9 gute Gründe zusammen.

    Ein Punkt, den Eltern offen ansprechen sollten: Entdrosseln ist eine Straftat, und als Halter haften Eltern mit. Mehr dazu in Mopedauto entdrosseln.

    Checkliste vor dem Kauf

    Soll das Mopedauto zum 15. Geburtstag bereitstehen? Den passenden Zeitplan für Führerschein, Kauf und Versicherung gibt es in Mopedauto zum 15. Geburtstag.

    1. Brauchen wir wirklich ein Mopedauto, oder reichen Fahrrad, Bus oder Fahrgemeinschaft?
    2. Stadtmodell (z. B. Citroën Ami) oder klassisches Modell mit mehr Reichweite (z. B. Ligier Myli)?
    3. Gibt es eine Steckdose am Stellplatz, oder ist ein Diesel sinnvoller? Mehr dazu in Diesel oder Elektro?
    4. ABS und Rückfahrkamera mitbestellen, wo möglich.
    5. Neu, gebraucht oder Leasing? Siehe Mopedauto kaufen.
    6. Versicherung vor dem Kauf vergleichen.
    7. Fahrsicherheitstraining einplanen.

    Was nach einem Unfall zu tun ist und wer zahlt, steht in Unfall mit dem Mopedauto.

    Wie viele Mopedautos es gibt und wie oft sie in Unfälle verwickelt sind, steht in Mopedautos in Deutschland: Zahlen und Statistiken.

    Quellen

    Häufige Fragen

    Wie sicher ist ein Mopedauto für Jugendliche?

    Sicherer als ein Roller, aber deutlich unsicherer als ein Kleinwagen. Für Mopedautos gibt es keine Crashtest-Pflicht, und in Tests von Euro NCAP schnitten Leichtfahrzeuge mit nur ein bis zwei von fünf Sternen ab. ABS ist oft nur gegen Aufpreis zu haben.

    Darf ein 15-Jähriger mit dem Mopedauto Freunde mitnehmen?

    Ja. Mopedautos mit zwei Sitzen dürfen mit Führerschein AM einen Beifahrer mitnehmen. Eine besondere Altersgrenze für Mitfahrer gibt es nicht.

    Gilt für Mopedauto-Fahrer ein Alkoholverbot?

    Ja. Wer jünger als 21 ist, darf beim Fahren eines Kraftfahrzeugs keinen Alkohol getrunken haben (§ 24c StVG). Das gilt auch für Mopedautos. Verstöße kosten 250 Euro und einen Punkt in Flensburg.

    Gibt es beim Führerschein AM eine Probezeit?

    Nein. Die Probezeit gilt erst für die Klassen A und B. Verstöße mit dem Mopedauto werden aber trotzdem mit Bußgeldern und Punkten geahndet.

    Wer schließt Kauf, Leasing und Versicherung ab?

    Bei Minderjährigen in der Regel die Eltern. Bei der Versicherung muss das Alter des jüngsten Fahrers angegeben werden, auch wenn ein Elternteil Versicherungsnehmer ist.